„Steel and Stone“ – Skulpturen

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„Ferric Cane“. © Foto: GGV

Idee

Auch bei den Skulpturen geht es darum, Objekte aus der (vermeintlichen) ‚Banalität‘ der alltäglichen Welt zu ergreifen, den Charme und oft auch den Witz von marginalisierten Dingen frei zu legen – und  dann in einen neuen Kontext zu stellen. Das „Ergreifen“ ist hier zudem sehr wörtlich zu nehmen: Die Objekte haben mit ihrer Materialität eine weit über das Visuelle (etwa der Photographie) hinausgehende eigene Erfahrungsqualität und verlangen eine anders-artige gegenständlich-praktische Umgangsweise.

Anders als bei der Photographie geht es nicht primär darum, damit auch ein sozial-dokumentarisches Interesse zu verbinden. Obwohl: Das Gefundene wird aus einer fast vollständigen Bedeutungslosigkeit des Vergessenen, der Verwaisung oder des explizit zum Abfall Erklärten herausgehoben, (wieder) sichtbar gemacht und damit auf neue Weise mit Bedeutung aufgeladen – vielleicht auch rehabilitiert. Eine Ab- oder Rückseite der im Überfluss ertrinkenden Gesellschaft, die mit Minderwertigkeit, Überflüssigkeit, Müllhaftigkeit, Absonderlichkeit, Schmutzigkeit und vielleicht sogar mit Gefährlichkeit verbunden wird, wird dokumentiert  und ästhetisch aufgewertet.

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„Wiry Shiva“. © Foto: GGV

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„Flower 1“. © Foto: GGV

Technik

Meist werden die Objekte garnicht oder nur minimal verändert – ihre bis dahin kaum sichtbare „Aura“ wird meist schon durch das Entreißen aus dem bisherigen Umfeld und das Einfügen in einen neuen, artifiziellen „Rahmen“ (man kann an Goffmans „Rahmenanalyse“ denken) hervorgerufen.
Das Entreißen ist natürlich ein gewalttätiger Akt, der traurig stimmen könnte – daher erfordert dies einen ausgleichenden  Respekt gegenüber den Gegenständen. Dieser drückt sich dadurch aus, dass den Objekten nur geringe Gewalt angetan wird und sie pfleglich (vielleicht sogar art-gerecht) behandelt und gehalten werden. Obwohl es durchaus recht robuste Rabauken unter den Dingen gibt, bei denen man schon ordentlich Hand anlegen muss, um sie gefügig zu machen. Aber auch dann sollte man ihnen auf Augenhöhe begegnen – das bildet.

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„Corrosion of Character“. © Foto: GGV

Manchmal hat es sogar den Anschein, als ob die Enthausung und Verfremdung (vielleicht sogar „Entfremdung“) den Objekten gut täte, da sie aus schlimmen Umständen befreit werden. Zumindest wird ihnen im neuen Zuhause eine Wertschätzung zuteil, die sie wahrscheinlich vorher so nicht hatten. Ob die Gegenstände dies gut heißen, weiß man nicht – sie wehren sich nur wenig. Die artgerechte Haltung, so hat sich im Laufe der Zeit gezeigt, erfordert auch, dass die Objekte nicht nur einen guten Raum, sondern auch eine ihnen gerechte Fundierung bekommen, etwa einen artigen Sockel.
Ein für die ergriffenen Dinge typisches Material ist rostiges Metall aller Art: auf Baustellen, Industriebrachen oder in Abfallcontainern ‚achtlos‘ weggelegter funktions- und damit wertloser Baustahl, Draht oder einfache Technikobjekte. Als Sockel passen dazu hervorragend ebenfalls auf Bauplätzen vernachlässigter Stein oder weggeworfene Betonteile. Bauleute wissen ja (wie ich von meinem Vater, einem Bau-Meister alter Tradition gelernt habe) um die Wahlverwandtschaft von Stahl und Beton. Beides ohne Zweifel schwere Materialien.

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„Sea Horse“. © Foto: GGV

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„Little Steel Dancer“. © Foto: GGV

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„Heavy Heart“. © Foto: GGV

Details

  • „Ferric Cane“ – Material: Stahldraht, rostig; Stangen so gefunden, dünner Draht, rostig, geformt und angefügt; Bohrkern aus Beton, so gefunden; Höhe gesamt ca. 3,00m.
  • „Flower 1“ – Material: Stahldraht, gedrillt, rostig; Bohrkern aus Beton; alles so gefunden; Höhe gesamt ca. 0,60m.
  • „Fontinalis antipyretica metallica“ – Material: Stahldraht verdrillt, rostig; Bohrkern aus Beton; alles so gefunden, Höhe gesamt ca. 0,40m.
  • „Heavy Heart“ – Material: Verpackungsbänder für Euro-Paletten aus Stahl, rostig; zu einem Objekt verflochten; Höhe gesamt ca. 0,65m
  • „Little Steel Dancer“ – Material: Stahldraht, geschweiss, rostig; kleiner Bohrkern aus Beton; alles so gefunden; Höhe gesamt ca. 0,35m.
  • „Sea Horse“ – Material: Stahldraht, geschweißt, rostig, so gefunden; Bohrkern aus Beton, Höhe gesamt ca 1,5m.
  • „Wiry Shiva“ – Material: Stahldraht gedrillt, so gefunden, geringfügig in Teilen gebogen; Granitquader für die Pflasterung von Wegen; alles so gefunden; Höhe gesamt ca. 0,50m.