Gesundheitsförderung, innerweltliche Askese und das Tabu des Müßiggangs

Kerstin Rieder

Der Wandel der Arbeitswelt und der Trend zur Gesundheitsförderung

Die Arbeitswelt befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Umbruch. Die soziologische Arbeitsforschung beschreibt diesen unter anderem als Trend zur Entgrenzung der Arbeit (Gottschall & Voß, 2005; Kratzer 2013), als Entwicklung eines neuen Geist des Kapitalismus (Boltanski & Chiapello, 2001), als Herausbildung eines neuen Typus des Arbeitnehmers, des Arbeitskraftunternehmers (Voß & Pongratz, 1998).Dieser Wandel geht einher mit einem veränderten Verhältnis der Beschäftigten zur Arbeit, welches als Subjektivierung der Arbeit (Moldaschl & Voß, 2003) gekennzeichnet wird. Zwar entstehen dadurch etwa Chancen persönliche Interessen und Bedürfnisse stärker in die Arbeit hineinzutragen und stärker selbstverantwortlich tätig zu sein. Zugleich erfolgt ein tendenziell totaler Zugriff der Gesellschaft auf die Arbeitenden (Voß, 2010) mit negativen Folgen wie der interessierten Selbstgefährdung (Krause et al., 2013), eines erschöpften Selbst (Ehrenberg, 2004) und psychosozialer Verelendung (Voß, 2010). Hinzu kommt, dass auch jenseits der Erwerbsarbeit zunehmend eine neue Form der Arbeit für Unternehmen auf die Individuen wartet, die Tätigkeit als arbeitender Kunde (Voß & Rieder, 2005). Die Konsequenzen all dieser Veränderungen zeigen sich nicht zuletzt in einem massiv steigenden Anteil psychischer Erkrankungen an den Fehlzeiten (BPtK, 2013). …

Kompletter Beitrag als PDF

Veröffentlicht von

.)

Schreibe einen Kommentar