Aktuelles

(2020 ff) “Arbeitende Nutzer”
(working users)

In Forsetzung der Thesen zum “Arbeitenden Kunden” entstanden umfangreiche Überlegungen zur betrieblichen Nutzung der Aktivitiäten von “Usern” in fast allen Bereichen der digitalen Welt in Weiterentwicklung der Publikation der Harard Ökonomin Shoshana Zuboff über den “Überwachungskapitalismus”.

Zuerst erschien dies im Buch “Der arbeitende Nutzer. Über den Rohstoff des Überwachungskapitalismus” (Campus 2020):
(Verlagstext) Am Überwachungskapitalismus sind alle, die einen Computer, ein Smartphone oder andere digitale Geräte nutzen, beteiligt. Sie arbeiten unbewusst Big-Tech-Konzernen bei der Gewinnung, Aufbereitung, Verarbeitung und Lieferung eines neuen Rohstoffs zu, der aus den digitalen Anwendungen von Nutzerinnen und Nutzern in all ihren Lebensbereichen gewonnen wird. Im Rahmen ihrer alltäglichen Lebensführung agieren sie, wie dieses Buch in Auseinandersetzung mit der amerikanischen Ökonomin Shoshana Zuboff zeigt, in vielfältiger Weise als Hilfskräfte der Konzerne und haben dadurch als »arbeitende Nutzer« eine wichtige Funktion im Überwachungskapitalismus – ob sie wollen oder nicht.. Danach wird darüber noch einmal in einem Aufsatz berichtet: “Arbeitende Nutzer und ihre Lebensführung”, in: Georg Jochum, Karin Jurczyk, G. Günter Voß und Margit Weihrich (Hg.): Transformationen alltäglicher Lebensführung. Konzeptionelle und zeitdiagnostische Fragen. Weinheim. Basel: Beltz/ Juventa 2020 S. 260-281.

2022 wird erneut zu arbeitende Tätigkeiten von Nutzern digitaler Systeme im Vorfeld der Erzeugung profitabler Daten gearbeitet. Der Fokus wird dabei angesichts folgenreicher technischer, ökonomischen und gesellschaftlich Veränderungen bei „Big Tech“ Konzernen erweitert und kritisch pointiert. Die Anspielung im zentralen (Arbeits-)Titel des Papers “Meta-Arbeit” auf die Umbenennung von Facebook erfolgt bewusst, meint aber mehr. Die traditionsreiche Begriffsergänzung „Meta“ meint im Beitrag, dass ein Sachverhalt (hier die arbeitende Tätigkeiten von Usern digitaler Systeme) und damit verbundene Begrifflichkeiten in einen breiteren Kontext und übergeordneten Relevanzrahmen eingeordnet werden. Damit soll ein allgemeineres und abstrakteres Verständnis entstehen, das die Ausdifferenzierung und flexible Handhabung von Bedeutungselementen ermöglicht – auch um einen mit Engführungen manchmal verbundenen Absolutheitsanspruch zu begegnen.
Der Text ist jetzt dezidiert mit (dezidiert kritischem) Fokus auf die neue Plattform “Multiverse” ausgearbeitet worden. Vorläufig liegt das noch als Entwurf vor mit dem Arbeitstitel “Meta-Arbeit im Meta-Kapitalismus”. Dies verweist auf die zentrale Annahme, dass in Metaverse ein völlig neuartige Qualität von Kapitalismus mit weitreichenden Folgen entstehen könnte. Auf Reaktionen einiger Probeleser wird gewartet und wo der Text erscheinen könnte ist noch offen.

 

(2019 ff) Arbeitende Roboter – Arbeitende Menschen
(working robots – working humans)

Seit jetzt schon einiger Zeit bin ich mit eine spezifischen Technikthema beschäftigt: hoch automatisierte Technologien und dort vor allem um i.w.S. Roboter mit der diesen zugrundeliegenden künstlichen Intelligenz (KI). Zentral ist die Frage nach den Folgen für Gesellschaft und speziell (mit anthropologisch erweitertem soziologischen Blick) für Subjektivität.

Dazu entstand zuerst eine PPT-Präsentation “Arbeitende Roboter – Arbeitende Menschen. Über subjektivierte Maschinen und menschliche Subjekte” mit erweiterten Überlegungen (vor allem zum Subjektbegriff) (download) und danach ein darauf aufbanende Aufsatz im  “Zeitpolitischen Magazin” der Gesellschaft für Zeitpolitik”  mit dem Titel Wenn die Roboter kommen … was wird dann aus ‘uns’? Arbeitssoziologische Thesen zu den Folgen einer Entgrenzung und Subjektivierung von Technik“. Der Text erschien dann leicht verändert auch im Blog des “Soziologie Magazin”.

Ein umfangreicher Text zum Thema mit dem Titel “Arbeitende Roboter-Arbeitende Menschen. Über subjektivierte Maschinen und menschliche Subjekte” erschien 2019 und ist inzwischen frei verfügbar (hier).

english:
I am working on ideas on the question “Are robots working”? It will be a contribution to a techno-philosophical reader and, for me personally, is the beginning of a longer process. I am asking: What sort of work is it that Robots are perfoming, if we look at some of the latest developments in robotics (social robotics, emotional robotics, deep machine learning, human-machine interaction)? What is the specific quality of activity und qualification that they will (as some scholars predict) ‘steal’ from a lot of us in the near future, on an until now unknown scale of automation? Is there, on the other hand, a specific quality of activity that will remain a genuine domain of humans, giving us living non-machines a real chance in the new ‘race against machines? My thesis is that we will face a dramatic change of our understanding of “work”. In other words: the category of ‘work’ will (and must) once again change fundamentaly – as it did, i presume, in nearly every historical era of technological change. And with that it will become much more ‘open’ or ‘wide’ than it became in the last years (as some lament, mainly men).

Even more: It will be some sort of an anthropological or evolutionary task to discover (or develop) new spheres of genuine human attributes in our species, that we can uns“?” unfold to compete with our new working mates or (if you prefer) companions. I get the feeling (Iuse that word with definitive intention) that these attributes will be others than those seen (along with most of the philosophers of the enlightenment) as the core qualities of our race. And it will supposedly not be our famous capacity to make rational ‘plans’ (before we work = as Marx said, making his bighaeded joke about bees and spiders) and it will not even be our beloved instrumental ‘rationality’ or ‘reason’ we are so proud of (in spite of all the trouble we caused with that in history). Robots will very soon be much better at that than our needy and lazy organic humanness. And that will confront us with the inconvenient question: Damn, who are we?

The paper on “working robots”  I have been working on since October 2016 is completed – after some more or less substantial changes of ideas and extensive editing in reaction to editorial remarks The main thesis is that we currently face the emergence of a “subjectivated” form of machinery (not only at work, but nearly everywhere), that will mean an anthropological challenge for us humans eventually. The only reaction we can hope for is that we will be able to remember what we are: we are living beings – robots are not. A renewed focus on us as “lebendige Arbeitsvermögen” and even more as “Gattungswesen” (Marx) may be the only chance to develop the potential for humankind  to confront the technological changes. In other words: we have to perform a new quality of subjectivation of ourselves, going far deeper than that what Foucault has seen. It goes back to our biological basis as a species. For this purpose the paper unfolds some ideas on a category of “ursprüngliche Subjektivität” (original subjectivity?) and discusses some philosophical concepts on “play” as a counterpart to formal rationality with roots (as some say, e.g. Schiller) in human naturalness. The paper (“Arbeitende Roboter – arbeitende Menschen. Über subjektivierte Maschinen und menschliche Subjekte”) is published now in: Friedrich, A./Gehring, P/ Kaminski, A./Nordmann, A./Hubig, Ch.: Jahrbuch Technikphilosophie 2018 – „Arbeit und Spiel“, Baden Baden: Nomos/edition sigma.